Selbstinszenierung „Glück und Unglück“

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Seminar Fotografie 2 - Inszenierung
Hier einige Ergebnisse aus dem Seminar „Fotografie 2 - Inszenierung“ zur Aufgabenstellung „Glück und Unglück“

Die Studierenden sollten sich selbst in zwei Rollen inszenieren:

Glück: Wie, was und wo würden Sie sein, wenn sich ein Traum von Ihnen erfüllen würde, was bedeutet Glück für Sie, was wünschen Sie sich?

Unglück: Und wie, was und wo würden Sie sein, wenn eine Befürchtung wahr würde, was wäre ein Unglück für Sie? 
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Glück und Unglück
Eines Tages lief einem Bauern das einzige Pferd fort und kam nicht mehr zurück. Da hatten die Nachbarn Mitleid mit dem Bauern und sagten: „Du Ärmster! Dein Pferd ist weggelaufen - welch ein Unglück!“ Der Landmann antwortete: „Wer sagt denn, dass dies ein Unglück ist?“ - Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit. Jetzt sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das Pferd weg - dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“

Der Bauer schüttelte den Kopf: „Wer weiß, ob das Glück bedeutet?“ Das Wildpferd wurde vom ältesten Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“ Aber der Landmann gab zur Antwort: „Wer will wissen, ob das ein Unglück ist?“ Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und zogen alle jungen Männer des Dorfes für den Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück - mit seinem gebrochenen Bein. Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“

Glück und Unglück wohnen eng beisammen, wer weiß schon immer sofort, ob ein Unglück nicht doch ein Glück ist?
Christian Morgenstern 
(1871-1914)